Solidarität
mit Flüchtlingen

 

 

Gestaltpädagogik

Gestaltgruppe unterwegs in der Provence

Seit 1979, beschäftige ich mich mit Gestaltpädagogik. Nach einer Gestaltfortbildung im Odenwaldinstitut gründete sich meine Gestaltpädagogikgruppe. Diese bestand in den Anfangsjahren aus 10 Mitgliedern und hat sich nach und nach auf 5 Personen stabilisiert. Treffen finden nach wie vor mehrmals im Jahr statt, bei denen wir auf gestaltpädagogische Weise schulische und persönliche Verhalte bearbeiten.

Folgend ein Artikel von Jörg Bürmann, der beschreibt, was Gestaltpädagogik für ihn persönlich ist:

Jörg Bürmann schreibt im Februar 2010 auf: http://www.gestaltpaed.de über

Gestaltpädagogik

Gestaltpädagogik ist ein kollektiver Prozess der Entwicklung pädagogischer Praxen durch Experiment und theoriebezogene Reflexion. Dieser Prozess wird getragen durch eine vielfältige, nur lose miteinander vernetzte pädagogische Reformbewegung, die ihre wesentlichen Anfangsimpulse der Gesellschaftsreformbewegung der Humanistischen Psychologie verdankt und die durch den bleibenden Rückbezug auf deren Ziele und Werte in ihrer Identität erkennbar bleibt.
Jede theoretische Skizzierung von „Gestaltpädagogik“ ist insofern eine Momentaufnahme dieses Prozesses aus der subjektiven, durch biographische Erfahrungen und die eigene Lerngeschichte (Wissenschaftlichen Werdegang) geprägte Sicht des jeweiligen Autors.

Was ist Gestaltpädagogik? –eine persönliche Antwort

Aus meiner Sicht lässt sich der Ansatz der Gestaltpädagogik auf drei Ebenen focussieren:

-auf die Förderung professionellen pädagogischen Handelns durch die Entwicklung der Lehrerpersönlichkeit in berufsbezogener Weiterbildung (und Supervision),
-auf die Optimierung von Lernvoraussetzungen durch Gestaltung von Schulklima und
Klassenführung sowie
- auf die Ermöglichung persönlich bedeutsamer Lernprozesse im jeweiligen Fachunterricht.

Diese Abfolge bedeutet einerseits eine Hierarchie der Schwerpunkte in der Gestaltpädagogischen Weiterbildung und andererseits – in zeitlich-biographischer Perspektive –ein Voranschreiten von der persönlichen Entwicklung des Lehrers über die Gestaltung der individuellen wie kollektiven Lernbedingungen und der sozialen Beziehungen zur Gestaltung der „Begegnung von Person und Sache durch didaktisches Handeln“.
1. Gestaltpädagogik ist ein Konzept zur Professionalisierung pädagogischen Handelns durch Entwicklung der Lehrerpersönlichkeit in mehrjähriger berufsbezogener Weiterbildung.
Pädagogisches Handeln ist geprägt durch vielfältige, z.T. widersprüchliche Anforderungen, durch eine hochkomplexe und oft diffuse Handlungssituation und durch ein kompliziertes Zusammenspiel vieler Akteure mit höchst unterschiedlichen momentanen Interessen, Absichten und Befindlichkeiten.
Für gelingendes pädagogisches Handeln bedarf es vielfältiger Kompetenzen; entscheidend aber ist die Fähigkeit, „im richtigen Moment das Richtigezu tun“ und d.h. eine umfassende Wahrnehmung der Situation und ein Gefühl für das Angemessene, das „rechte Maß“ und den produktiven Augenblickzu nutzen für ein prozessorientiertes Ausbalancierenvon individualisiertem und sozialen Lernen, von Anforderungen der Sache und Erfordernissen der Person des Lernenden, von Gegenwarts- und Zukunftsbedeutungdes Lerngeschehens sowie von Rollenhandeln und persönlicher Begegnung.
Emotionale Gelassenheit, eine sichere Gestaltung von Nähe und Distanz, von Förderung oder Herausforderung und produktiver Frustration sowie die Fähigkeit, die stets fragilen Arbeitsbündnisse mit den einzelnen Schülern wie mit der Klasse insgesamt zu entwickeln und zu sichern, stellen somit wesentliche Voraussetzungen dar für professionelles pädagogisches Handeln. Die Entwicklung einer solchen Lehrerpersönlichkeit findet in der Gestaltpädagogischen Weiterbildung und Supervision im Wesentlichen in folgenden vier Dimensionen statt:

- in der biographischen Selbstreflexion der eigenen Erziehungs-, Lern- und Bildungsgeschichte,
- in der Erweiterung und Vertiefung der Wahrnehmungsfähigkeit nach außen wie nach innen, von komplexen Interaktionssituationen wie der subjektiven, situativen Befindlichkeit des einzelnen,
- in der Ausarbeitung der Bedeutung nichtsprachlicher Symbolisierungen wie in der Fähigkeit, sie in Lernprozessen spielerisch einzusetzen und sie für die Ermöglichung persönlich bedeutsamer Lernprozesse zu nutzen sowie
- im Verständnis von und im Umgang mit individuellem wie kollektivem Widerstand als einem ebenso kreativen wie selbst blockierenden Dimension aller Lern- und Entwicklungsprozesse.

2. Gestaltpädagogik legt besonderen Wert auf die Förderung von Lernvoraussetzungen der Schüler. Hierbei geht es übergreifend um die Gestaltung der Schule, ihrer Rituale und Umgangsformen, der Beziehungskultur und all das, was zu einem guten Schulklima beiträgt.
Auf der Ebene der einzelnen Schulklasse nimmt sodann die Klassenführung und die Stiftung und Stabilisierung individueller und kollektiver „Arbeitsbündnisse“ einen zentralen Stellenwert ein. Hier geht es um die Stärkung des einzelnen Schülers durch Anerkennung und Wertschätzung(Selbstwert), durch Förderung seiner Vernetzung in der Klassengemeinschaft(Verbundenheit)sowie durch die Eröffnung von Mitentscheidungs-und vor allem Mitgestaltungsmöglichkeiten Selbstwirksamkeit).

3. Auf der Ebene des Unterrichts schließlich steht im Mittelpunkt die Ermöglichung
„Persönlich bedeutsamen Lernens“, d.h. ein individualisiertes „Bildendes Lernen“ das
Anschluss findet an die Sinn - und Bedeutungshorizonte der einzelnen Schüler und diese zugleich erweitert, ausdifferenziert und auf die Welt und die zukünftigen Aufgaben in Beruf und Gesellschaft hin öffnet.
Für das In-Beziehung setzen von.subjektiven Sinnhorizonten und den vielfältigen Erkenntnismöglichkeiten der Sache hat die Gestaltpädagogik zahlreiche Vorgehensweisen entwickelt und erprobt, die durch Reaktivierung subjektiver Erfahrungszusammenhänge und bedeutsamer Erlebnisse den Lernenden auf die Begegnung mit der jeweiligen Sache einstimmen.
Eine solche „Vorbereitung“ der Subjekte auf die beabsichtigte neue Erfahrung gilt in der Gestaltpädagogik als zumindest ebenso wichtig wie eine didaktische „Zurichtung“ von Themen und Lernaufgaben. Förderung von Persönlichkeitsentwicklung und Welterschließung werden als gleichwertige einander wechselseitig stärkende Aspekte der Förderung heutiger Kinder und Jugendlicher angesehen.

Hartmut von Hentig hat diese Aufgabe unübertrefflich auf die prägnante Formel gebracht:

Die Menschen stärken, die Sachen klären!

Im Rahmen der hessischen Lehrerfortbildung habe ich in den 1990ern Gestaltfortbildungen angeleitet und darüber hinaus bei der Moderation von Ausbildungsgruppen (private Institute) Erfahrung gesammelt. In der Zeitschrift der Gestaltpädagogischen Vereinigung habe ich damals folgende Artikel veröffentlicht. Wegen Schulleitertätigkeit hat Gestaltpädaogik für mich persönlich danach eher im Hintergrund gewirkt, erscheint mir aber nach wie vor für Lehrkräfte und SchülerInnen von großem Nutzen.
Vom Wert selbstgedruckter Schülerbücher und (gestalt)pädagogischer Gelassenheit eigener Artikel in Zeitschrift der GPV, Heimat, Heft 8,
Juni 1996, Eigenverlag
Erstes Kind unterwegs ...
oder Unsere kleine Mayte war eine süße Maus
eigener Artikel in Zeitschrift der GPV: Lebensthemen in der Pädagogik, Heft 9,
Februar 1997, Eigenverlag
Website der gestaltpädagogischen Vereinigung